Der Tierheilpraktiker
                 Berufsbild und Zukunft

Der Wunsch der Menschen nach naturgemäßen Heilmethoden, verbunden mit dem Wunsch nach Zuwendung und Verständnis, hat in den letzten Jahren zu einer stetigen Zunahme der Naturheilpraxen geführt. Ein Mensch, der sich mit der Natur und den natürlichen Abläufen beschäftigt, hegt natürlich auch den Wunsch, dass seinem Tier ebenso eine solche Behandlung an gedeihe.
Viele Heilpraktiker ergreifen zusätzlich noch den Beruf des Tierheilpraktikers, da Patienten, die sich gut beraten fühlen, häufig auch um Rat für ihre Tiere fragen. Und wie oft kommt es vor, dass der Hund mitgebracht wird und dann im Gespräch über das Tier das Verständnis für den Menschen tiefer wird und bei dieser Gelegenheit dann auch private Probleme erörtert werden, die, wie sich dann herausstellt, nicht nur den Menschen, sondern auch das Tier belasten.
Dies ist nur ein Weg, wie man als Heilpraktiker manchmal auch zum Studium des Tierheilpraktikers gedrängt wird.
Die Tendenz geht also auch in der Tierheilkunde immer mehr hin zu dem natürlichen Heil verfahren, der Vorbeugung und Verhinderung von Krankheiten und nicht dem Zudecken von Symptomen.
Gerade in einer zunehmenden Singlegesellschaft gewinnt das Haustier immer mehr an Wert, im Sinne eines Familienmitgliedes, für das man natürlich auch viel tut. Der Beruf des Tierheilpraktikers ist also ein noch nicht weit verbreitetes Berufsbild, aber doch immerhin ein Beruf, der zunehmend an Interesse und Perspektive gewinnt.
Der Begriff Heilpraktiker setzt sich aus dem Wort »Heil« und »Praktiker« zusammen. Speziell das Wort »Heil« erfuhr im Zeitraum von 500 bis 1500 einen interessanten Bedeutungswandel.
Heil bedeutete soviel wie »Gleich, Gesundheit, günstige Vorzeichen, Rettung, Beistand.
Der Begriff Praktik kam wohl erst Ende des 15. Jahrhunderts auf und bedeutet, aus dem Griechischen übersetzt soviel wie „tauglich, geschickt, durch tätige Übung erfahren«. Ein Heilpraktiker und somit auch ein Tierheilpraktiker ist ein Mensch, der durch seine Tauglichkeit, Geschicklichkeit und seine Tätigkeit zur Gesundheit beiträgt und zum Gesundungsprozess Beistand leistet, so dass das Individuum, das sich in seinem Leiden von den übrigen Individuen unterscheidet, diesen durch den Gesundungsprozess wieder gleichgestellt, also wieder eingegliedert in die Gemeinschaft wird.
Ein Tierheilpraktiker ist im Sinne der Bedeutung Heil und Praktik ein Mensch, der zur Gesundheit des Tieres beiträgt. Allerdings praktiziert er nicht mit behördlicher Erlaubnis, sondern bestenfalls mit behördlicher Duldung, da es den Begriff des Tierheilpraktikers eigentlich gar nicht gibt.
Die Tätigkeit des Tierheilpraktikers ist noch nicht gesetzlich verankert und somit existiert bisher auch keine behördliche Überprüfung. Rein theoretisch kann sich also jeder Tierheilpraktiker nennen, ohne eine Qualifikation nachweisen zu müssen.
Gegen diesen Punkt laufen natürlich die Tierärzte, und das zu Recht, Sturm. Ist das Verhältnis zwischen Humanmedizinern und Heilpraktikern schon gespannt, da uns Schmalspurwissen vorgeworfen wird, welches aber zumindest einer Überprüfung durch den Amtsarzt standhalten muss, bevor man sich überhaupt Heilpraktiker nennen darf. So trägt die Tatsache, dass es keine Überprüfung und somit auch keine Ausbildungsanforderungen für Tierheilpraktiker gibt, nicht gerade zur freudigen Akzeptanz dieses Berufsstandes, der sich zunehmend entwickelt, bei.
Ein anderer Punkt, der vielleicht auch Berührungsängste weckt, ist die Tatsache, dass Tierheilpraktiker weit mehr in solche Tätigkeiten hineindrängen, die bislang Domäne der Tierärzte waren. Beispielsweise lnfusions - und lnjektionstherapien, Magnetfeld- und Lasertherapie, ja sogar kleine chirurgische Eingriffe, die ja laut Tierschutzgesetz, soweit sie ohne Betäubung durchgeführt werden dürfen, somit auch nicht ausdrücklich verboten sind.
Als Heilpraktiker und Tierheilpraktiker sollte man sich allerdings doch im Klaren darüber sein, dass man mit Mitteln der Natur helfen und heilen will und kein Pseudomediziner sein soll.
Der Tierheilpraktiker soll also den Tierarzt nicht ersetzen oder die Notwendigkeit tier- ärztlichen Tuns in Abrede stellen, sondern er soll im Vorfeld dazu beitragen, Krankheiten in der Entstehung zu verhindern, den Allgemeinzustand zu stärken. Die Selbstheilungskräfte, die ja gerade beim Tier enorm sind, zu fördern und auch das Verhältnis Tierhalter und Tier zu beobachten und eventuell auch hier beratend bei Problemen zur Seite zu stehen.
Der Zeitfaktor ist nach wie vor das Wesentliche in jeder erfolgreichen Behandlung, das Wichtigste also somit die Anamnese und Beobachtung. Gerade hier haben wir mehr Möglichkeiten als der Tierarzt, der häufig auf die Probleme des Tierhalters gar nicht eingehen kann, weil ihn die drängenden täglichen Behandlungs-, Impf- und Operationsprogramme voll in Anspruch nehmen. Nicht umsonst heißt es ja, dass man bei vielen Erkrankungen auch den Tierhalter mitbehandeln muss.
Warum also nicht eine Splittung der Aufgaben, die mit Sicherheit jedem zum Nutzen gereichen könnte?